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Stadtwerke Pirmasens nehmen Stellung zur Fusion von Eon, RWE/Innogy

(vom 15.03.2018)

Kaum beschäftigen sich die Stadtwerke mit Ideen zur Kooperation mit den Stadtwerken Kaiserslautern, schon warten zwei der vier großen Energieversorger mit einem Paukenschlag auf. 

Die Megafusion von Eon und RWE/Innogy wirbelt den Energiemarkt durcheinander. Fragen, die sich daraus in erster Linie ergeben, sind: Wie werden sich vor diesem Hintergrund Energiewende und Energiepreise weiterhin entwickeln, gerade auch im Hinblick etwaiger Richtungswechsel der neuen Bundesregierung? Was den betroffenen Verbraucher umtreibt, ist sicherlich die Frage, ob er in dem Schwebezustand, in dem sich die betroffenen Unternehmen befinden, weiterhin sicher und zuverlässig versorgt wird. Hat die Megafusion Auswirkungen auf die Energieversorgung in Rheinland-Pfalz?

Der Chef eines größeren, rheinland-pfälzischen Stadtwerks, Christoph Dörr von den Stadtwerken Pirmasens, bezieht Stellung. Dörr sieht in der derzeitigen Entwicklung vor allem die Chancen, die sich für lokale Versorger, Stadt- und Gemeindewerke, ergeben. "Die lokalen Versorger wurden in den letzten Jahren schon oft totgeredet. Allen Unkenrufen zum Trotz konnten sie sich erstaunlich gut im stark umkämpften Energiemarkt halten. Es liegt an unserer Innovationskraft, den schlanken Strukturen, die es uns ermöglichen, schnell auf Marktanforderungen zu reagieren. Nicht zuletzt das Vertrauen unserer Kunden zeigt uns, dass wir den richtigen Weg beschreiten. Die Vielfalt von Stadtwerken ist ein großes Plus für die Verbraucher, denn diese sorgt für moderate Energiepreise. Nicht umsonst stellt sich bei der Megafusion für deren Kunden die Frage, ob sie künftig mit höheren Energiepreisen rechnen müssen. Das aktuelle Beispiel zeigt doch ganz eindeutig, dass Größe allein keine markbeherrschende Stellung garantiert. Die Dinos der Branche sind nicht davor gefeit, in Schieflage zu geraten." Dörr blickt mit seiner Denkweise über den Tellerrand des reinen Tagesgeschäfts hinweg und macht den von der Megafusion betroffenen Kunden ein Angebot: "Unsere Türen sind offen für alle betroffenen Kunden, die von Unsicherheit geplagt werden", lädt Christoph Dörr ein und weist auf eine unabhängige und kostenlose Energieberatung hin, die im Hause der Stadtwerke jederzeit und von jedermann wahrgenommen werden kann.

"Selbstverständlich sind wir uns der Tatsache bewusst, dass auch wir uns auf die kommenden Herausforderungen des Energiemarktes einstellen müssen. Die darauf fußende Kooperation mit den Stadtwerken Kaiserlautern ist eine schlüssige Folge daraus. Die Zusammenarbeit im regionalen Rahmen bietet jedoch für keinen der Beteiligten Nachteile. Sie ist wohl überlegt und selbstbestimmt. Dies ist der wesentliche Unterschied zwischen dem, was wir wollen bzw. selbst beeinflussen können und dem, was den beiden Dinos der Energiewirtschaft gerade passiert, wo ein bestehender Markt aufgeteilt wird", führt Dörr weiter aus.

E.ON konzentriert sich auf Verteilung und Vertrieb, Innogy (Energievertrieb) verschwindet voraussichtlich vom Markt, die RWE-Mutter Innogy übernimmt die Erzeugung. Teilweise wird in der Branche von "Notschlachtung" gesprochen. Die Betroffenen selbst sprechen von "nur Gewinner". Dabei ist dieser Deal nicht auf Wachstum ausgerichtet, sondern darauf, Kosten zu senken. Beide Fusionspartner haben große Probleme im Vertriebsgeschäft. Dies belegen auch die Betriebsergebnisse der letzten Jahre. "Ein Zeichen für uns, dass sich große Unternehmen offenbar schwer mit Kundennähe tun. Ob diese Probleme mit einem noch größeren Unternehmen gelöst werden können, da habe ich meine Zweifel", betont Dörr.

Welche Auswirkungen hat die Megafusion auf die Energiekunden Kunden in Rheinland-Pfalz?

Christoph Dörr geht davon aus, dass "kurzfristig für alle Kunden keine unüblichen Preisveränderungen zu erwarten sind, da der Wettbewerb im Energiegeschäft aufgrund vieler Anbieter im Markt weiterhin funktioniert." Gewinner sind für ihn die Kunden, die auf ihren lokalen Versorger setzen, denn diese "können sich weiterhin auf den gewohnten guten Service verlassen. Für die Kunden von Eon und Innogy kann man das nicht mit Sicherheit so vorhersagen, da solche Megafusionen erfahrungsgemäß von organisatorischem Chaos begleitet werden, aber dann gibt es ja genügend Alternativen für diese Kunden," da ist sich Dörr sicher und bietet den Betroffenen an, sich einfach auch einmal ein Angebot des Pirmasenser Versorgers unterbreiten zu lassen. "Es kostet nichts, uns zu fragen".

Was heißt das für Stadtwerke Pirmasens und für die Bürgerinnen und Bürger von Pirmasens?

"Wir sind für die Herausforderungen des Energiemarktes gut gerüstet", gibt sich Dörr selbstbewusst. "Der Strombedarf wird durch neue Technologien, die Digitalisierung und Entwicklungen wie Kryptowährungen (Bitcoins) massiv ansteigen, manche Prognosen sprechen von einer Verdreifachung binnen weniger Jahre. Das ist auf den ersten Blick für uns eine gute Nachricht. Aber durch die zunehmende Dezentralisierung ist das kein Geschäft, das automatisch auf uns zuläuft. Wir müssen die Kundenbedürfnisse ganz genau kennen, um rechtzeitig mit attraktiven Angeboten bei unseren Kunden zu sein, zum Beispiel mit Speicherlösungen oder Dienstleistungen rund um Elektromobilität. Da sind wir als nicht zu großes aber eben auch nicht zu kleines Unternehmen gut aufgestellt. Aber: Auch wir werden uns nach der Decke strecken müssen, um mit den Marktentwicklungen Schritt zu halten".

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Stadtwerke Pirmasens, Oberbürgermeister Dr. Bernhard Matheis, betont die guten Infrastrukturangebote, die Pirmasens allen Bürgerinnen und Bürgern durch das starke Engagement des Lokalversorgers bieten kann: "Die Stadtwerke Pirmasens gewährleisten in Pirmasens unter anderem einen leistungsfähigen Öffentlichen Personennahverkehr und ein gut ausgestattetes Hallen- und Freibad mit exzellenten Freizeit- und Sportmöglichkeiten. Dies ist für eine Mittelstadt wie Pirmasens nicht selbstverständlich. Insbesondere in Pirmasens haben die Werke einen hohen Stellenwert, bei allen Stadtentwicklungsthemen, dem Straßenbau und der Konversion. Die Entwicklung und Umsetzung tragfähiger Zukunftskonzepte in der Stadtentwicklung wären ohne sie undenkbar."

Wie sind die Zukunftsaussichten?

Dass selbst so Mammut-Unternehmen wie E.ON und RWE/Innogy nicht daran glauben, die Zukunft alleine meistern zu können, zeigt, wie groß die Herausforderungen sind. Der Geschäftsführer der Stadtwerke Pirmasens positioniert sich für die eigene Zukunft folgendermaßen: "Wir steuern rechtzeitig gegen, indem wir beispielsweise neue Angebote zur Elektromobilitäts-Infrastruktur entwickeln und verstärkt nach Kooperationen Ausschau halten, die wir nützen werden, um unseren Kunden attraktive Leistungen anzubieten. Nur wenn wir ausreichend Gewinn machen, können wir in gute Kundenlösungen investieren und weiter unseren Aufgaben der Daseinsvorsorge nachkommen, zu denen auch unser ÖPNV und die Bäder gehören. Das gilt für alle Stadtwerke".

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